persönlich...



Geh in Demut um dann zu erkennen, was wesentlich ist.
Geh in den Tod, um dann das Leben zu erlangen.
Geh in den Berg hinein, um dann den Himmel zu erspüren.

Drei mal verkehrt:
Ganz nach hinten und ganz vorne wieder hervor.
Ganz nach rechts und links wieder hervor.
Ganz nach unten und ganz oben wieder hervor.

Drei mal Übertreibung des anderen.
Drei mal Wirklichkeit.

Salzburg/Forchheim, 31 Mai 2015



- Z E I T -


Zeit, oh Zeit,
du unendliche Zeit!

Soll ich mich denn fürchten
vor deiner Ewigkeit?

Zeit, oh Zeit,
du gleichgültige Zeit!

Willst du mich nicht führen?
Gib mir doch Geleit!

Zeit, oh Zeit,
du nutzlose Zeit!

Weißt nichts mit mir anzufangen,
ich wär’ doch bereit!

Zeit, oh Zeit,
du weggebroch’ne Zeit!

Hast mich und meine Pläne
gänzlich fast entzweit!

Fürth, 29/31 Oktober 2013


m a c h   m i c h   i c h
mach mich fühlen
sei mein spüren
mach mich gehen
sei mein führen
mach mich fallen
sei mein schauen
mach mir krallen
sei wie klauen
meine beine
mein gesicht
meine hände
mein gewicht
mein gehen
mein leben
mein stehen
mein geben
bin wie rudel
bin wie schwärme
sei wie sprudel
gib mir wärme
mach mich kreis
mach mich punkt
mach mich strich
mach mich ich
mach mich flach
so auch rund
mach mich teil
sei mein heil
 

zur Schubumkehr, Fürth, 27/28 April 2012



Wer sagt uns, dass Talente und Begabungen
Nicht all uns Menschenbrüdern eigen sind?
Ob offenkundig, oder nur okkult erlebbar -
Ein Urteil kommt da meistens zu geschwind.

Das äuß‘re Leben and‘res oft erhält -
Ist es denn wirklich unser Gott - das Geld?
Sind es die Scheine und die Münzen dieser Welt,
Die uns erzeugten? Und das, was nur gefällt?

Dort wo die Gier, die Selbstsucht sich verbreitet,
Da werden schwache Geister fehlgeleitet,
Wird unentwegt ganz fleißig darauf hingearbeitet,
Dass noch am Totenbett man Kreativität bestreitet.

Ein Kranker, der wird auch bald abgeschrieben.
Zuwenig Möglichkeiten, meint man, ihm verblieben.
Doch auch bei solchen vorgeblichen Schicksalshieben
Er gerne lebt - und hört nie auf zu lieben . . .

Die kreative Kraft, Du sollst sie pflegen,
Sowie die Wahrheit, die diese immer recht empfängt,
Damit auch in der Dunkelheit der Lebenssegen,
Der Samen nicht in totem Grund wird sein versenkt.

Salzburg, 29 Mai 2011



Meine Acht
Dir zur Wacht
In dieser Nacht.
Mein Herz bedacht
Dir ein Licht entfacht.
Es leuchtet fortan sacht,
Braucht nicht Sinn noch Macht,
Hat sich Dir zum Ruhepol gemacht.

zur Erkraftung, Salzburg, 3/4 März 2010



I hope the gentist will be a dentleman

für Walt, Salzburg, 15 Januar 2008



auf sternenbahnen
stehn geschrieben
menschenwege
leiden lieben

Salzburg, 20 April 2007



werhopfensaft
derbesserschafft

Salzburg, 1 Oktober 2007


...denke ich, dass Kunst und Demokratie einander gar nicht mögen.

„Sie werden verstehen, dass ich Ihnen die Welt nicht erklären kann!“
(Arheddis Varkenjaab, 24.10.2005)
Aber wir werden um ein ernsthaftes Suchen nicht herumkommen.

Wer kann schon beurteilen, ob neue Musik etwas taugt - und wenn ja, welche? Sollen wir die Weltbevölkerung darüber abstimmen lassen?
Oder die Musikakademiker?
Oder vielleicht eine erst zu gründende Kunstkonsumentengewerkschaft (KKG)?

Es kann auch wieder nicht behauptet werden, der Berufsstand der Kunstkritiker sei per se zu verurteilen. Immerhin findet man hier und da ehrliches Bemühen.

Goethe:

„Denn es ist der Kunst Bestreben
Jeden aus sich selbst zu heben,

Ihm den Boden zu entführen,
Links und rechts muß er verlieren,

Ohne zauderndes Entsagen
Aufwärts fühlt er sich getragen.

Und in diesen höheren Sphären
Kann das Ohr viel feiner hören,

Kann das Auge weiter tragen,
Können Herzen freier schlagen.”

Wann erleben wir diese Wirkung durch Kunst? Wir werden um ein ernsthaftes Suchen nicht herumkommen.

~

Wer sagt eigentlich, das Kunst überhaupt einen Wert hat? Wenn ich Hunger habe, hilft mir die fünfte Beethoven auch nichts. Die ganze Wiener Klassik nützt nichts.
Dann lieber ein Wiener Schnitzel.
Oder ein Wiener Würstchen.
Hmm, ein Wiener „...“ vegetarisch gibt es eigentlich nicht, oder? Na gut, es gibt noch andere Städte.
Was ist mit der Parisersinfonie?
Ach so, auch Wiener Klassik.
Na ja.

Jedenfalls ist zu klären, welchen Rückhalt Künstler haben. Vor allem nicht wirtschaftlich.
Aber was beseelt einen eigentlich auf der Bühne?
Was fällt uns überhaupt ein?

„Gar hurtig aber doch flink hat er das Presto heruntergespilt“ (anonym, 1789)
„Gar hurtig hat er die Spaghetti mit Pesto heruntergespült!“ (anonym, neudeutsch)
Na bravo.
„Ich bin schon vor der Pause gegangen. Was fiel denn dem ein? Mich da so zu langweilen hinter dieser Kiste mit Hämmern. Nur Hochgeschwindigkeitsklimperei. Wie ein irre schneller Zug.
[Die Magnetschwebebahn kommt bestimmt...]
Und dafür zahle ich auch noch 12 Euro!? Das waren 12 zuviel.“
(Ernst Reitter nach einem Konzert mit Hans Dampff am 17.9.2003)
Schade.

Welchen Rückhalt haben wir also? Haben wir einen? Oder sind wir Prestoherunterspiler mit historischen Instrumenten oder mit modernen Instrumenten eben Pestoherunterspüler?

Vielleicht fragen wir anders: Wer gibt uns Rückhalt? Rückendeckung? Oder glauben wir etwa immernoch, das Publikum käme um unsere Person zu sehen?
Wohl kaum.
Da muß wohl etwas hinter uns sein. Jedenfalls dann, wenn wir unseren Beruf (unsere Berufung) ernst nehmen. Möchte ich meinen.

Was da ist, kann ich nicht genau sagen. Aber dass da etwas ist ist, weiß ich wohl. Und wir werden um ein ernsthaftes Suchen nicht herumkommen.


Wenn Sie anders denken, ist das schön.

Wenn Sie mir das mitteilen, ist das noch schöner!